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Sie hätten es wissen müssen, …

… als versierte Blechschläger und Leuchtenmacher, wie gefährlich ihr Auftrag war. Die Männer, die sich am 21. September 1869 im Königlichen Hoftheater zu Dresden an dem zwei Tonnen schweren Kronleuchter aus Messing und Glas zu schaffen machten, wollten Gummischläuche erneuern, lösten aber eine Katastrophe aus. Harz entflammte und setzte das von Gottfried Semper im Stile der italienischen Frührenaissance errichtete Theater-Juwel in Brand.

Die Schreckenskunde von der Vernichtung des Dresdner Hoftheaters war sicher rasch auch ins nicht weit entfernte Wurzen gedrungen. Dort hatte 1862 ein Mann namens K. A. Seifert in bester Innenstadtlage, in der Jacobsgasse 37, ein »Kurz- und Galanteriewaarengeschäft« – die heutige LMW-Leuchten Manufactur Wurzen GmbH – gegründet. Doch offensichtlich wollte er nicht nur im kleinen Stil Posamenten verkaufen, sondern im großen Stil Handfestes produzieren. Im Katalog zur »Gewerbe- und Industrie-Ausstellung in Wurzen 1880« findet sich das Inserat einer Firma, die nun »K. Seifert, Metall- und Broncewaaren-Fabrik« heißt und als Spezialität annonciert: »Beleuchtungsgegenstände für Gas u. Petroleum – als Kronen, Candelaber u.s.w.«

Ein imposanter Neubau …

… des Theaters wurde 1878 am Dresdner Elbufer eingeweiht und als Semperoper weltberühmt. Die Systeme wechselten und die Zeiten änderten sich zwischen Jugendstil und Neuer Sachlichkeit, auch für die »Sächsische Broncewaarenfabrik«. Aber unternehmerischer Geist und handwerkliche Meisterschaft hatten in Wurzen Bestand. Im Februar 1945 sank die international berühmte Semperoper nach verheerenden Bombenangriffen ein weiteres Mal in Schutt und Asche. Genau 40 Jahre sollte es dauern, bis das Haus – nach Sempers Originalplänen – seine Wiederauferstehung erlebte. Die Rekonstruktion des riesigen Kronleuchters war ein Meisterwerk der Beleuchtungsbau-Spezialisten in Sachsen. Ein in den Ruinen gefundener Gasring erlaubte ihnen Rückschlüsse auf die Größe des Kronleuchters: 4,25 Meter im Durchmesser! Seit der Wiedereröffnung des Hauses 1985 verleiht er mit seinen 256 Lampen dem prächtigen Bühnensaal funkelndsten Glanz – wie die 363 von den Sachsen gefertigten Leuchten im gesamten Theater. Und wenn die »Wunderharfe«, wie Richard Wagner die Sächsische Staatskapelle nannte, Mozarts »Zauberflöte« intoniert, dann klingt ein Ausruf Papagenos besonders beziehungsreich: »He, Lichter her! Lichter her!«

»Unterste Reihe,
fünfter von links …

… der bin ich!« Vielleicht ein Lehrling in der »Sächsischen Broncewaaren-Fabrik« zu Wurzen. Am 27. Mai 1889 wurde das seit 1862 bestehende Unternehmen – mit inzwischen rund 500 Beschäftigten – in eine Aktiengesellschaft umgewandelt, geleitet vom Sohn des Firmengründers, Karl Max Seifert. Belegschaftsfotos wie dieses hier sind aus der Mode gekommen, schade eigentlich. Wer genauer hinschaut, kann vieles entdecken: Geschichte und Geschichten. Die Angestellten im Anzug mit Krawatte, die Arbeiter in Kittel und Schürze.

Das Werk ihrer Hände …

… ihres Geschicks, ihrer Kunstfertigkeit: Oben in den Fenstern sind ein paar Zeugnisse ihres Schaffens drapiert. Ganz rechts am Bildrand erhebt ein Herr das Glas, vielleicht gibt es Grund zum Feiern. Ernste, zufriedene Gesichter – nur Männer, nur Schnurrbärte. Vielleicht hat ein Gürtler das Bild später voller Stolz seinem Sohn gezeigt: »Unterste Reihe, fünfter von links.« Auch der Sohn wollte Gürtler werden und vielleicht auch der Enkel. Über Generationen weitergegebene Praxis. Ein Reichtum an Erfahrungen. Die Begründung einer Tradition. Heute ein Rückblick auf anderthalb Jahrhunderte Firmengeschichte mit vielen Auszeichnungen und erstklassigen Referenzen: »Semper idem«. Wörtlich aus dem Lateinischen übersetzt heißt es: »immer derselbe«. Im metaphorischen Sinne steht es für höchste Beständigkeit. Das Belegschaftsfoto lässt uns die Herkunft der Zukunft ahnen.

Die Geschäfte laufen gut …

… im Aufschwung der Gründerzeit. Die schön anzusehenden Wertpapiere der »Sächsischen Broncewaaren Fabrik vorm. K. A. Seifert« in Wurzen waren börsennotiert in Leipzig und Dresden. Überregional wurden die speziellen Leistungen offeriert: Die »Illustrierte kunstgewerbliche Zeitschrift für Innen Dekoration« , die sich rühmte, »in allen Kulturstaaten verbreitet« zu sein, druckte 1898 in jeder Nummer ein Inserat aus Wurzen. Außer den Beleuchtungsgegenständen für Gas gab es nun auch solche für »elektrisch Licht«. Entwürfe und Musterbücher standen kostenfrei zu Diensten. Reichlich 30 Jahre später mussten Anzeigen des sächsischen Unternehmens dann schon sehr viel Text aufnehmen, um die Fülle des Könnens zu beschreiben.

Einen »unerschöpflichen Modellschatz« …

… offerierte das Anfang der 1930er Jahre herausgegebene Musterbuch Nr. 14, das auch »einen Auszug aus den letzten Neuschöpfungen der modernen Geschmacksrichtung« enthielt. Große Musterausstellungen waren in der Berliner Ritterstraße und zur Leipziger Messe im dortigen Städtischen Kaufhaus zu sehen. Heute ist der Reichtum aus vielen Musterbüchern sorgfältig archiviert – ein enormer Fundus an Gussmodellen, Fotos, Skizzen, Entwürfen und Konstruktionszeichnungen: Formenvielfalt und Flexibilität für authentische Repliken und originelle Innovationen.

Von gediegener Opulenz …

… und Selbstbewusstsein zeugen die Briefbögen, auf denen die sächsische Aktiengesellschaft ihre Geschäftspost in alle Welt versandte. Schönste Jugendstil-Lettern kündeten nicht nur von »höchsten Auszeichnungen« weit über die Grenzen Deutschlands hinaus, sondern auch von zahlreichen namhaften Referenzobjekten: vom Reichstag und dem Königlichen Amtsgericht in Berlin über das Reichsgericht und die Universität in Leipzig bis zu Rathäusern großer Städte, renommierten Hotels und Cafés.

Auf den Briefbögen heute würde der Platz fehlen, um all das aufzuzählen, was allein in den letzten Jahren erstklassig erleuchtet wurde: Herausragend dabei die Aufträge für das Mariinsky Theater und die Hermitage in St. Petersburg oder den Kaisersaal der Himmelfahrtskirche in Jerusalem.

Sächsische Strahlkraft von höchster Schönheit für die Welt, aber auch für die Heimat: In Leipzig beispielsweise für das spätklassizistische Mendelssohn-Haus und den Senatssaal der Universität, vor allem aber auch für das historische Treppenhaus und das Foyer der »Bibliotheca Albertina«. Die Kandelaber, die Wand- und Säulenaufsatz-Leuchten aus poliertem Messing entstanden nach historischen Vorbildern in aufwendiger Handarbeit, verbunden mit moderner Strahlkraft. Klassische Schönheit und Eleganz für die Gegenwart.

Der Geist will
erleuchtet werden …

… in Ratssälen, Schulen oder Bibliotheken, das leuchtet ein. Doch auch in einem profanen Milchladen muss der Kunde sein Licht nicht unter den Scheffel stellen. Jedenfalls nicht in »Pfunds Molkerei«, die 1891 in Dresden eröffnet wurde und ihre Kunden in eine andere Welt versetzte. Wenn der Gourmet-Tempel nach seiner Sanierung seit 1997 im Guinness Buch der Rekorde als »Schönster Milchladen der Welt« geführt wird, so liegt das zum Großteil wohl an den fast 250 Quadratmetern handbemalter Fliesen. Wie das prachtvolle Ambiente aber zu höchster Wirkung gelangt, das liegt an den Produkten der heutigen Leuchten Manufactur Wurzen.

»Scheine, was du bist, …

… und sei, was du scheinst«, sagt die Herzogin zu der kleinen Alice. Literatur, Musik, Bildende Kunst: Die Anregungen schöpfen aus vielen Quellen. Aus der Beschäftigung mit der Historie erwachsen Ideen für Innovationen, verbinden sich Tradition und Moderne.

Die »Flämische Krone« gehört zu den Basisprodukten der Leuchten Manufactur Wurzen und zu den Klassikern der Einrichtungskultur. Im Zeitgeist des 21. Jahrhunderts, mit einem Augenzwinkern und künstlerischem Humor, haben die Hamburger Gestalter Kuball & Kempe die »Pop-Art-Flame« kreiert. In ihrer Farbgebung könnte sie von Andy Warhol oder David Hockney inspiriert sein. Das traditionelle Design mit den als Flamingos geformten Lichtarmen erinnert an die märchenhafte Verspieltheit von »Alice im Wunderland«.

“Holà! De la lumière”

Kunst- und kulturgeschichtliche Zitate, geografische oder handwerkliche Anregungen finden sich auch bei anderen Leuchten im Lichte neuer Formen und Farben: bei der bronzenen Widderkopf-Laterne »Trianon«, bei der chinesischen Laterne »Yan Li«, bei den Lampion-Leuchten »Secret Twilight«, bei den Laternen »Southampton« und »Le Havre«. Bei den Messing-Großlaternen »Tamina«, »Papagena« und »Papageno« klang den Gestaltern Mozarts »Zauberflöte« im Ohr, sahen sie Papagenos Vogelkäfig und hörten ihn vielleicht rufen: »He, Lichter her! Lichter her!«

Die über Generationen weitergegebenen Erfahrungen und Erkenntnisse bündeln Wissen und Können. Mit dem Know-how der Gegenwart schaffen sie die ideellen Voraussetzungen für Aufträge von allgemeiner und hochspezieller Art. Kühnen künstlerischen Visionen handwerklich perfekte Form und Gestalt zu verleihen, ist das Markenzeichen der Leuchten Manufactur Wurzen. Und damit wären wir wieder bei Gottfried Semper, der seine Genialität als Künstler nicht reproduziert, aber in Gegenwart und Zukunft angewandt wissen wollte.